Interviews

Interview mit Félix d’Eon

Félix Frédérik d’Eon, born in Guadalajara, living in Mexico City, Mexico. I am an artist, with a bachelors degree

Can you begin with telling me a little bit about your illustration practice? How did you begin to Illustrate?

 I consider myself more an an artist than an illustrator, even though the paintings I make look a lot like traditional illustrations. I am an independent artist, who makes paintings to sell online.

What is your main focus in Illustrations?

 My paintings seek to make visible a heretofore invisible experience, namely, the queer experience. My paintings are a visual representation of queer love and desire

When and why did you start to create Monsters?

 I really don’t paint that many monsters. Sometimes they appear in the context of my paintings, as in two gay or lesbian knights killing a dragon, or a sea monster or something like that.

What do you express through them? What do they mean to you?

 The monsters I occasionally paint are parts of classic stories, in which the monster (a dragon, for example) is traditionally vanquished by a straight, usually white, man (for example). In my paintings I change the gender or sexuality or ethnicity of the protagonist, so that the role of the hero can be played by a variety of subjects. The monster is these cases is highly traditional, it is the protaginist who changes

Does gender play a role in your Illustration?

yes, I like to play with the meaning and role of gender, and flip what is expected in any given painting

How do you think Monsters are connected to Gender-questions?

I haven’t given the matter much thought, since I don’t paint monsters that much

Do you have a definition of what is monstrous? Do you need it?

no

What ore who influenced your work? With whom do you talk about your work?

There are lots of influences, ranging from classical European paintings, to turn of the last century illustration, to Japanese printmaking. I talk about it with a few artist friends and my husband (who is an artist too)

What is your favorite monster ore piece of work? Why did you create it? (please attach)

I included a painting of a man recieving oral pleasure from an octopus. Its not a monster, but is monsterous. It was inspired by a similar painting by Hokusai, of a woman in that case. I wanted to queer it. The octopus reprsents a wild, untameable nature, I think, and is sexy in its horror.

do you have any particular focus or self enforced rules that you follow when you work on your creatures? What visual methods do you use to create your monsters?

I don’t really paint many monsters

What do want to achive through your work?

I want to help queer people to feel seen, and to see themselves reflected in art,

Do you do commission work when you create Monster?  Have they been published, and if so where? Aside that, where do you publish your Work and where (ore in what context)do your Images circulate?

 I don’t really take commissions.

Felix D’Eon – Sammlung auf Omeka

Reflexion

When and why did you start to create Monsters?

 I really don’t paint that many monsters. Sometimes they appear in the context of my paintings, as in two gay or lesbian knights killing a dragon, or a sea monster or something like that.

Diese Antwort steht exemplarisch dafür wie Interpretation und Intention von einander abweichen können. A dragon, or a sea monster ore something like that, umreisst Felix Definition von Monster. Seine eigenes Verständnis von Monster schliesst augenscheinlich viele seiner Kreaturen von dieser Definition aus.

Für meine Arbeit ist dies somit eine äusserst spannende Auseinandersetzung. Was ist ein Monster? Wer hat die Definitionshoheit und wie kann eine solche Arbeit auf diese Diskrepanz reagieren?

Dafür möchte ich einen kurz seine Aussagen mit denen aus den Workshops zu seinen Bildern vergleichen und in Kontext zur Monster-Definition setzen.

Bei der Suche und weiteren Auswertung von Bildern stützte ich mich auf das Bildinterpretationsmodell von Erwin Panofsky und Theorien aus den Monster-Studies. Ich will also kurz herleiten, warum ich dieses Bild als Monster-Darstellung eingestuft habe.

Auf diesem Bild sind zwei Figuren, halb Mensch halb Fisch, zu erkennen. Die beiden Figuren sitzen auf einem Stein von schäumendem Wasser umgeben. In den Haaren und als Schmuck tragen sie Muscheln und Seesterne. Von der Hüfte an abwärts geht die Haut in Schuppen über und Formen einen Fischschwanz. Dadurch erfüllen sie die erkennbaren Merkmale von allgemein als Meerjungmenschen bekannten Wesen. Die beiden Kreaturen tragen Gesichtsbehaarung und ihre leicht untersetzte Figur mutet männlich an. Am Brustkorb sind jeweils rötliche Narben erkennbar. Genitalien sind von der Haltung her nicht erkennbar und werden von den Hybriden Fischschwänzen „verdeckt“. Die Narben deuten darauf hin, dass es sich um Transmänner handelt.

Meerjungmenschen und andere Wasserwesen

Meereswesen mit menschlichem Aussehen sind weit verbreitet und entspringen vielen Kulturen und Epochen. Bei zahlreichen dieser Kreaturen ist eine klare Kategorisierung nicht möglich und eine klare Trennung auch nicht gegeben. Ausserdem werden die Bezeichnungen häufig wie Synonyme verwendet. Dennoch will ich eine kurze übersicht der wichtigen Wasserfiguren geben.

Sirenen: Bekannte Figuren sind die Sirenen und Chimären die ihren Ursprung in der griechischen Mythologie haben und nichtsahnende Seefahrer mit ihrem betörenden Gesang anlocken, um sie ins Verderben in Form von Riff oder Klippe ziehen. Sirenen sind eigentlich Todesdämonen und wurden früher als Vögel mit Menschenköpfen dargestellt (von ca. 650 v. Chr.). Erst in mittelalterlichen Bildern und Texten wurden sie als Mix aus Mensch und Fisch gezeigt. Nixen sind Wassergeister in der mittel- bis nordeuropäischen Volksüberlieferung, welche den Menschen Gefahr, Schaden und Tod bringen. Häufig betören bzw. verführen sie Männer und ziehen sie etwa auf den Grund von Flüssen und Seen. Manchmal warnen sie aber auch (vergeblich) vor Gefahren. [1]

Meerjungfrauen: Meerjungfrauen hingegen zeigen eher Merkmale der Erlösungsbedürftigkeit auf. Es handelt sich meist um ein seelenloses oder verdammtes Wesen, das durch die Ehe mit einem menschlichen Gemahls von ihrem Schicksal erlöst werden kann. Die Figur bringt oft Aspekte des schutz- und erlösungsbedürftigen Weibchens zum Ausdruck.[2]

Wasserfrau: Damit steht die Meerjungfrau im Zeichen vieler weiblichen Wasserwesen, die zwei klassische Motive vereinigen: Einerseits die Frau als Spenderin und Erhalterin des Lebens, als Anima im Sinne der Jungschen Archetypenlehre. Zum anderen das Motiv des Wassers, aus dem nicht nur jegliches Leben stammt, sondern das auch als Nahrung für Pflanzen, Tiere und Menschen Leben spendet. Nach dem analytischen Psychologen Carl Gustav Jung (1875–1961) ist die Wasserfrau eine Form des tiefenpsychologischen Mutterarchetyps. Bei vielen Wasserfrauen kommt der positive Aspekt der „liebenden Mutter“ zum Ausdruck.[3]

Nymphen: Wassernymphen sind in der griechischen und römischen Mythologie weibliche Naturgeister. In ihrer Form zeigen sie aber keine Hybridität auf sonder sind Menschlich.  Die Symbolik der Nymphen ist vielfältig, umfasst aber insbesondere die Fruchtbarkeit und Sexualität. Die Nymphe Salmakis ist verantwortlich für die Androgynität von Hermaphrodit.

Nach einer Erzählung Ovids (Publius Ovidius Naso, antiker römischer Dichter) war er der Sohn von Hermes und Aphrodite. Er wies Züge beider Eltern auf und übte zudem auch Reiz auf beide Geschlechter auf. Er trug also bereits das androgyne Ego in sich. Der Junge wird von der Nymphe Salmakis begehrt, weist diese jedoch zurück. Als die Nymphe den jungen Hermaphroditos in der Quelle nackt baden sah, wird sie von ihrer Liebe derart  verzehrt, dass sie ihm ins Wasser nach springt und die Götter bittet die beiden für immer miteinander zu verschmelzen. Ihr Wunsch wird erfüllt und es entsteht ein zweigeschlechtliches Wesen, das weiterhin den Namen Hermaphrodit trägt. [4]

Sind die Hybriden Kreaturen von Felix d’Eon Monster?

Dafür möchte ich zwei Definitionen von Monster anführen.

Zum Einen führt der Oxford english dictonary die Definition von Monster wie folgt aus: „Originally a mythical creature which is part animal and part human, or combines elements of two or more animal forms, and is frequently of great size and ferocious appearance. “[5]

Zum Anderen gab Mittman in der Einführung zu einer wichtigen Publikation der Monster-Studies folgende Erklärung: „The primary element that defines monsters ist hat they are not not-monsters, not uns, not normal. (…) which structures all other elements of monstrosity – that ist the ambiguous, the neither-neither – neither this, nor that, but not „not“ these things. Monsters when they are formed from human matter are never entirely independent from the human form. The very problem comes from their uncanny redistribution of human elements into aberrant configurations.“ S. 303[6]

In meiner Arbeit gehe ich vom Monster als Figur aus, welche keine eigene Kategorie hat sondern in seinem Wesen ambivalent und unfassbar ist und sich allen Versuchen es zu kategorisieren entzieht. Die einzige Definitionskraft die wir haben, ist zu bezeichnen was es nicht ist; es ist weder Mensch, noch Tier. In dem Moment wo wir glauben es zu erkennen und auf das Monster zeigen, hat es sich bereits wieder verändert und entzieht sich unseren Bedürfnissen nach klaren Kategorien. Es vermischt uns bekannte Formen in unnatürliche Zusammensetzungen die uns nicht ganz geheuer sind, oder eben ungeheuerlich.

Davon ausgehend, lassen sich Felix d’Éons Bilder durchaus als Monsterfiguren lesen. Denn sie weisen sowohl Formal als Inhaltlich monströse Zusammenhänge auf. Dennoch zeigt das Interview mit Felix  schön auf wie die Definitionsmacht in Bezug auf Monster eine ambivalente Sache ist.

Ich stelle die These auf, dass er selbst den Begriff nur in einem negativen Kontext versteht, bei dem die Figuren für etwas ungeheuerliches, furchteinflössendes stehen. Hybride Kreaturen ohne eine monströse Intention erfüllen diese Kategorie bei ihm nicht.

Ich selbst ging mit einer anderen Definition an die Suche heran. Durch meine Auswahl seiner Bilder für die Workshops markierte ich seine Wesen als monströs und machte sie (erst) dadurch zum Monster. Somit interpretierten auch die Teilnehmer*Innen diese Figuren in den Auslegeordnungen als Monster.

Die Diskussionen waren anregend und seine Bilder wurden gerne interpretiert und als spannende und kritische queere Repräsentationen gelesen. Dabei spielten oft gerade die Hybridisierung eine Rolle und wie diese als Mittel genutzt werden Kann um Gender-Themen zu behandeln. Siehe dazu im speziellen den Beitrag zu der Auslegeordnung 3

Für diese Arbeit stellt sich mir die Frage, wie ich mit dieser Diskrepanz umgehen kann. Haben Interpretation und Intention gleichwertige Stellungen aber verschiedene Qualitäten oder ist eine Ebene der anderen unter-/übergeordnet?


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Nixe

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Meerjungfrau

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserfrau

[4] MATTHIAS HEDWIG: Androgynie in Mythos, Psychologie und Medienkultur, http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/mh_androgynie.pdf

[5] https://www.oed.com/viewdictionaryentry/Entry/121738

[6] Asa Simon Mittman (2016): The Ashgate Research Companion to Monsters and the Monstrous, London und New York: Routledge.