Workshops

Auslegeordnung I

Zur Methode:

Die Auslegeordnung wurde insgesamt drei Mal durchgeführt. Ein Vorlauf wurde mit Adrian Demleitner gemacht um den Korpus einzugrenzen und erste Abläufe einer Auslegeordnung anzudenken. Welche Entscheidungen zur Auswahl des Korpus geführt haben und wie die Illustrationen zusammengetragen wurden, wird in einer anderen Zusammenfassung erläutert. Die Auslegeordnung bestand aus rund 100 Illustrationen von ca. 50 Illustrator*Innen. Die an der Auslegeordnung teilnehmenden waren interessierte Bekannte, die keinen explizit gestalterischen Hintergrund oder einer Ausbildung in Gender-Studies hatten. Es nahmen rund 12 Personen Teil.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema liess ich die Teilnehmer*Innen mit der Bild-Kollektion arbeiten. Jede Person bekam einen kleinen Stapel von Illustrationen, die sie auf den Tischen auslegen sollten. Ich entschied mich dafür das Auslegen an die Teilnehmenden zu übergeben, damit alle bereits einige Bilder näher betrachtet haben. 100 Bilder waren zwar bereits ein eingegrenzter Korpus, aber dennoch immer eine grosse Menge von Illustrationen und so hatten alle bereits zumindest einige der Bilder selbst in der Hand. Danach hatten alle Teilnehmenden Zeit sich die Bilder anzusehen, und eine einzelne Illustration auszusuchen. Im Kreis wurden die einzelnen Bilder gezeigt und kommentiert, weshalb sie diese ausgewählt haben und was sie darauf sahen. Daraufhin bildeten wir drei Gruppen die jeweils eine eigene kleine Auslegeordnung machen sollten, die sie nach selbst gewählten Kategorien anlegen durften. Ich erklärte im Vorfeld, dass ich versuche herauszufinden, mit welchen Mitteln über Monster und Gender in Illustration gesprochen wird. Aus diesen Teams entstanden insgesamt fünf Auslegeordnungen, die wir jeweils gemeinsam wieder diskutiert und reflektiert haben.

Fazit zur Methode

Während der ganzen Zeit hielt ich mich mit meinen eigenen Meinungen zurück und unterliess explizite Inputs, um die Teilnehmer*Innen nicht zu sehr zu beeinflussen. Das erwies sich als wichtige Entscheidung und ich war durchaus erstaunt, wie viele der Erkenntnisse aus der Gruppe auch meinen eigenen Beobachtungen entsprachen. Dennoch war zu sehen, dass ich durch meinen gestalterischen Hintergrund und ein vertieftes Wissen um den Kontext auch andere Schlüsse aus den Illustrationen gezogen hatte.

Durch die Feedbacks und den eigenen Erkenntnissen werde ich folgende Punkte an der Auslegeordnung anpassen.

  • Zum einen werde ich die Einführung leicht kürzen und gerade für Menschen ohne vertieftes Wissen in Gender-Studies ein Handout anlegen mit den wichtigsten Fachbegriffen und Konzepten.
  • Zum Anderen werde ich den ersten Teil der Auslegeordnung kürzer halten, um mehr Zeit für die Gruppenarbeiten und deren Besprechung zu haben.

Die Prozesse selbst waren für die Teilnehmer*Innen fast so spannend wie die Sammlung. Mehrere Male wurde erwähnt, dass ein weiterführendes Interesse vorhanden sei und durch die Arbeit mit dem Thema ausgelöst wurde. Das Austauschen von Beobachtungen und Meinungen und das Verhandeln von monströsen Technologien und ästhetischen Mitteln war für die Gruppe sehr wichtig. Die Auslegeordnung diente als Anstoss, um über Gender und eigene Vorstellungen zu diskutieren. Ich möchte behaupten, dass eine solche Auslegeordnung selbst als Toolkit dienen kann, um eine Diskussion über Gender anzuregen. Dies bestätigt, dass Illustrationen von Monstern Gender-Themen verhandeln können und Betrachtende zur Reflexion und Aushandlung vorhandener Stereotype anzuregen vermag.

Über die Beobachtungen:

Allgemeine Beobachtungen:

Weibliche Darstellungen: Sehr schnell wurde von verschiedenen Teilnehmenden bemerkt, dass es vermehrt Darstellungen von Frauen, respektive weiblichen Attributen in der Auslegeordnung hat. Die Gruppe diskutierte daraufhin über mögliche Gründe. Zum einen wurde angenommen, dass ein möglicher Grund sein könnte, dass Frauen von der Gesellschaft sehr viel eher über ihre Körper und über ihre „Weiblichkeit“ dargestellt werden und sich dem entziehen oder sich darüber emanzipieren möchten. Zum Anderen wurde diskutiert, dass Männer sich im allgemeinen sehr viel weniger mit dem Thema Gender auseinandersetzen (müssen).

Dies ist mir selbst bereits während der Suche aufgefallen. Dabei habe ich mich auch gefragt, woran dies liegen kann. Ich war daraufhin unsicher, ob ich durch meine eigene Perspektive vermehrt weiblichere Darstellungen ausgewählt hatte, und ob die Recherche allenfalls durch Feed- und Suchalgorithmen beeinflusst sein worden könnte und wenn dies tatsächlich der Fall wäre, wieso. In der Folge habe ich meine ersten Findings noch einmal durchgesehen und auch weitere Darstellungen von Monstern gesucht. Nun ist es in der Tat so, dass Monster in Illustrationen, welche das Potential haben kritisch über Gender zu reflektieren, vermehrt weibliche Attribute aufweisen und auch des Öfteren von Frauen oder queeren Illustrator*Innen hergestellt werden. Es gibt aber durchaus eine Vielzahl von männlich konnotierten Monstern, welche aber jedoch oft heterosexuelle, binäre Stereotype reproduzieren und somit aus meinem Korpus ausgeschlossen wurden. Da ich jedoch nicht möchte, dass dies als erste Beobachtung der Auslegeordnung gemacht wird, werde ich den Korpus um einige männliche und non-binäre Illustrationen ergänzen. Dies in der Absicht das Spektrum von Potentialen aufzuzeigen. Denn schlussendlich geht es mir nicht um die empirische Erfassung vorhandener Monsterillustrationen, sondern um das herausarbeiten monströser Technologien im Bild, welche vorhandene Gender-Dichotomien kritisieren, dekonstruieren und dies (zumindest vermeintlich) unabhängig von einzelnen Geschlechter tun können.

Sexualisierte Darstellungen: Einige Teilnehmer*Innen merkten an, dass es viele sexualisierte Darstellungen gebe. Dies wurde daraufhin in der Gruppe diskutiert. Zuerst wurde in Frage gestellt, ob dies überhaupt stimme, da es zwar viele Darstellungen von entblössten Körpern gibt, diese jedoch nicht per se sexualisiert sein müssen. Gerade bei den Brüsten wurde diskutiert, warum wir diese als sexuell empfinden. Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrungen als stillende Mutter und wie sie oft sexuelle Kommentare erleben musste. Viele stimmen zu, dass biologische Attribute der Frauen auch heute noch von der Gesellschaft sexualisiert werden. Gleichzeitig aber Frauen, welche zu ihrer Sexualität stehen, schnell als Hure und Monster deklariert werden.

Die Beobachtungen fand ich äusserst ergiebig, da sich für mich (zumindest teilweise) auch die Vielzahl der weiblichen und sexuellen Darstellungen erklären lässt. Die weibliche Lust wurde historisch gesehen gerne als etwas „unnatürliches“ und „bedrohliches“ dargestellt. [1] In der abendländischen, christlich geprägten Kultur wurde der Sexualakt, welcher nicht für die Reproduktion dienlich war, lange verteufelt. Dies betrifft sowohl uneheliche als auch homosexuelle Beziehungen, welche nicht zuletzt während der Viktorianischen Zeit sehr restriktiv unterbunden wurden.  Aus dieser Zeit stammen auch viele Monster, welche sich um Gender und Sexualität handeln. Da ein öffentlicher Diskurs über Sexualität gänzlich undenkbar war, flüchteten sich viele Schriftsteller*Innen in die Fiktion. Ich sehe darin eine Verbindung in den vermehrten Darstellungen von Monstern, die ihre Körper und Sexualität selbstbestimmt und selbstverständlich zur Schau stellen.


[1] So gibt es Geschichten um die Vagina Dentata. Der Name wurde durch Freud geprägt. Angeregt wurde er dazu durch zahlreiche Legenden über Frauen mit bezahnten oder anderweitig mit Waffen besetzten Vaginen, die sie angeblich in die Lage versetzten, ihre Sexualpartner zu ermorden oder zu kastrieren. Diese warnende Sage wurde oft erzählt, um vor den Gefahren des sexuellen Kontaktes mit fremden Frauen zu warnen.


Wann ist ein Monster ein Monster: Da ich in der Einführung bereits eingeleitet habe woher die Ideen des Monsters kommt und inwiefern ich diese für meine Arbeit definiert habe wurde nur selten hinterfragt, ob eine Darstellung wirklich ein Monster ist oder nicht. Jedoch kam durchaus die Beobachtung auf, ob gewisse Attribute wirklich dazu beitragen etwas Monströses zu verhandeln oder nur als Dekoration gebraucht werden. Über diese Fragestellung habe ich mich sehr gefreut, da dies natürlich eine wichtige Auseinandersetzung während der Sammel-Phase war. Ich habe bewusst einige Illustrationen in der Auswahl gelassen, bei denen ich selbst das monströse als reine Dekoration empfunden habe. Jedoch nicht sicher war, wie dies Betrachtende einstufen würden.

Illustration von Felix D’Eon

Unsichtbarkeit von Transmenschen:

Darstellungen von Transmenschen wurden nicht gesehen und konnten auch nicht gelesen werden. In der Auslegeordnung finden sich mehrere Illustrationen von und zu Transmenschen. Diese wurden nicht als solche erkannt. Aufmerksam wurde ich darauf vor allem im ersten Teil der Auslegeordnung, als ein Teilnehmer die Illustration zweier Pan-Transmänner auswählte weil ihm diese in erster Linie gefiel. Er rätselte darüber wieso die beiden Männer ein weibliches Genital hatten. Daraufhin wurde die Illustration in der Runde herumgereicht und ich fragte ob jemand eine Erklärung dazu habe. Durch die sichtlich erkennbaren Narben unter den der Brust wird die Darstellung von Transmännern klar, jedoch war das für niemanden aus der Gruppe erkennbar. Hier greift die Frage der Sichtbarkeit wieder. Was nicht sichtbar ist (im kollektiven Topos), kann nicht gelesen werden und existiert somit auch nicht. Dies zielt nicht zuletzt auf mein Kernthema der Masterarbeit hin. Wie können non-binäre Menschen sichtbar gemacht werden, ohne sie zur Schau zu stellen oder Stereotype zu perpetuieren? Die Darstellungen von Transmenschen in meiner Auslegeordnung bedienen sich monströsen Technologien als empowerndes Mittel.

Beobachtungen aus den Kategorien:

Hörner

Eine Person hat sich dem Thema der Hörner angenommen. Für sie hat dies einerseits etwas diabolisches und andererseits sei es eine Vermischung der Natur mit dem menschlichen. Sie hat sich daher auch die Frage gestellt, was Hörner in der Natur bedeuten würden. Sie assoziierte diese mit Stärke und Machtkämpfen.

Hier kam noch ein Kommentar dazu, dass im allgemeinen viele politische Aussagen in der gesamten Auslegeordnung zu erkennen seien. Teilweise könne es such schon eine politische Aussage sein, einer Frau Hörner aufzusetzen.

Augen

Eine zweiten Auslegeordnung widmete sich dem Thema Auge. Die Gruppe diskutierte was diese Bedeuten könnten. Wie z.B. in Indien das dritte Auge für das Übermenschliche steht, respektive für ein höheres Bewusstsein oder den Zustand der Erleuchtung. Es wird auch vom allsehenden Auge gesprochen. Weiter könne das Auge für dein eigenen oder mehrere Blickwinkel stehen und wie verschiedene Perspektiven eingenommen werden können. Mit welchem Auge sehen wir? Gleichzeitig können Augen aber auch für Kontrolle und Überwachung stehen. Es wird auch angemerkt, dass Augen das Thema des (male)Gaze behandeln können und diesen auch umzukehren vermögen.

Häutung/ Maske/ Ad-ons

In dieser dritten Auslegeordnung wurden (vermeintlich unterschiedliche) Kategorien vereint. Die Gruppe konzentrierte sich dabei auf das An- oder Ausziehen von Rollen. Das Äussere könne modifiziert werden, um einerseits etwas zu verstecken aber andererseits auch, um etwas zu enthüllen. Die Kategorie steht für einen Dialog mit dem Inneren und Äusseren. Das wiederkehrende Thema der Haut könne als Sinnbild für die Fassade stehen. Dabei werde in der Regel das vermeintlich Schöne (Äussere) abgestreift und der rohe Kern komme hervor. Beim Thema der Häutung werde diese oft im privaten Raum gezeigt. Was dafür stehe, dass wir in der Öffentlichkeit eine gefallende Fassade aufrecht erhielten, welche im Privaten abgestreift werden könne. Es wird ergänzt, dass einige Illustrationen auch darüber reden, dass mehrere Identitäten in einer Person zusammen laufen (können).

In der Diskussion kommt ein wichtiger Punkt auf und zwar, dass es bedeutend ist, wo man Lust hat in eine gewisse Rolle zu schlüpfen oder wo man von der Gesellschaft in eine Rolle gedrängt wird. In der Auslegeordnung sind beide Aussagen zu finden.

Zwillinge/ multihead/ Januskopf

Eine weitere Gruppe widmete sich den Darstellung verschmolzener Menschen, respektive Menschen und Wesen mit zwei Köpfen. Sie diskutierten darüber, was es bedeute, dass nur ein Körper zur Verfügung steht, obwohl zwei Köpfe und damit auch zwei Charakter darin Platz haben (müssen). Schnell wurde in der Diskussion die Frage gestellt, wie nahe diese Darstellungen an die Realität gebunden seien und welche möglichen Bedeutungen darin liegen könnten. Es wird der Januskopf und die Chimäre als mögliche Anlehnung erwähnt. Die Interpretationen umkreisen Themen der Doppeldeutigkeit, Dualität und Bipolarität. Einige Illustrationen könnten dafür stehen, dass wir verschiedene Seiten in einer Identität haben / akzeptieren müssen, was durchaus auch Konfliktpotential haben könnte. Es wurde aber auch angemerkt, dass diese Darstellungen auch die Fähigkeit hätten, sich in alle Richtungen zu wenden, um so mehrere Perspektiven haben.

Bei dieser Auslegeordnung ist es mir wichtig einen etwas längeren Kommentar meinerseits zu machen: Mir selbst ist bei der Suche nach Illustrationen diese Sujets ebenfalls aufgefallen. Wobei ich diese längst nicht immer als monströs eingestuft habe, jedoch sind viele dieser Illustrationen bei Illustrator*Innen aufgetaucht, die auch ansonsten viele (queere) Monsterillustrationen herstellten. Nicht zuletzt deswegen habe ich diese Bilder in die Auslegeordnung aufgenommen. Dadurch wollte ich diesem Phänomen weiter nachgehen und eine Erklärung finden. Hier will ich kurz auf die beiden erwähnten Deutungen vom Januskopf und der Chimäre eingehen und danach weitere eigene Gedankengänge ergänzen.

Januskopf:

Der Janus ist ein römischer Gott welcher zwei Gesichter hat, die in unterschiedliche Richtungen blicken. Janus war ursprünglich ein Licht- und Sonnengott und wurde erst allmählich zum Gott allen Ursprungs, des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore zum Vater aller Dinge. Janus symbolisiert die Dualität in den ewigen Gesetzen, wie etwa Schöpfung/Zerstörung, Leben/Tod,

Münze mit Januskopf. Quelle Wikimedia

Licht/Dunkelheit, Anfang/Ende, Zukunft/Vergangenheit, Links/Rechts usw. Er ist die Erkenntnis, dass alles Göttliche immer einen Gegenspieler in sich birgt. Beide Seiten der Dualität entziehen sich dabei immer einer objektiven Wertung und sind damit weder gut noch schlecht. Mit seinen zwei Gesichtern steht Janus für eine Zwiespältigkeit und ein (ethisches)Abwägen. Janus kann als Gott der Ambivalenz verstanden werden. [1]

Chimäre:

Die Chimäre ist sowohl in der Mythologie als auch der Genetik beheimatet. In der griechischen Mythologie ist sie ein Mischwesen. Homer beschreibt die Chimära in der Ilias als feuerspeiendes Mischwesen, das vorne wie ein Löwe, in der Mitte wie eine Ziege und hinten wie eine Schlange oder ein Drache gebildet sei. In seiner deutschen Wortverwendung steht sie auch als eine eingebildete Wahrnehmung, also eine Fata Morgana oder Trugbild. Chimäre nennt man in Medizin und Biologie einen Organismus, der aus genetisch unterschiedlichen Zellen bzw. Geweben aufgebaut ist und dennoch ein einheitliches Individuum darstellt. Die unterschiedlichen Zellen eines solchen Chimären Organismus stammen aus verschiedenen befruchteten Eizellen.


[1] Besucht am 27. März 2019: https://www.srf.ch/sendungen/100-sekunden-wissen/januskopf und https://de.wikipedia.org/wiki/Janus_(Mythologie)


An dieser Stelle möchte ich auf eine schwierige Verknüpfung eingehen. Bis ins 16. Jahrhundert wurden Menschen mit Anomalien als „Naturspiele“ oder Omen gedeutet. Die Teratologie ist die Studie von  (als solche wahrgenommenen) Abnormalitäten, sowohl reale als auch durch Mediziner und Philosophen imaginierte. Die Wissenschaft entstand im frühen 17. Jahrhundert und widmete sich der Untersuchung der aus damaligen Sicht wundersamen und monströsen Anomalien um die Regeln der Natur zu erforschen. Der Begriff stammt aus dem griechischen und bedeutet soviel wie die Studie des Monströsen (teratos =“monster“,  logos= „the study of“). Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Teratologie und imaginierte Kreaturen wurden von den Studien ausgeschlossen und es wurde daraus die allgemeine Lehre von Fehlbildungen der normalen physiologischen Entwicklung.

Fortunio Liceti’s Monsters (1665)

Aus der Teratologie stammen viele noch heute verwendete Bezeichnungen für Fehlbildungen und Erkrankungen wie z.B. das Meerjungfrauensyndrom (Sirenomelie) oder das Elefantenmann-Syndrom (Elefantiasis). [1] Dies ist nicht das einzige Beispiel, aber durchaus ein gewichtiges, wie Anomalien und das Anormale mit dem Monströsen in Verbindung gebracht wurde und so noch heute entsprechende Auswirkungen hat.

Für mich stellt sich an diesem Punkt natürlich die Frage, wie also die Darstellungen in dieser Kategorie in der gesamt Auslegeordnung Platz haben. Machen diese Illustrationen in der Auslegeordnung die Aussage, das Missbildungen monströs sind oder kann es als emanzipatorisches Mittel gelesen werden? Ich denke, dass dies nicht generell sondern immer auf die einzelnen Illustrationen bezogen beantwortet werden kann. Bezüglich dem emanzipatorischen Aspekt im Umgang mit Teratologie möchte ich aber hier Patricia Mac Cormack zitieren:

„Many teratological conditions have been named such because aberrant traits are percived as animal qualities – elephant men, wolf children, mermaid (thus fish) syndrome. Becomings-animal in certain body modifications directly refuse being named as a failure by representing as a volitional way to re-name onself via qualities wich are considered liberating rather than devolutionary.  (…) the becoming-animal of certain posthumans ist the past-reclaimed.“[2]

Dies beantwortet jedoch den Umgang mit den Darstellungen von nicht Tier-Hybriden-Menschen nicht abschliessend.


[1] Besucht am 27. März 2019: https://web.archive.org/web/20131212054644/http://www.nyam.org/library/rare-book-room/exhibits/telling-of-wonders/ und https://en.wikipedia.org/wiki/Teratology

[2] s.301, Posthuman Teratology, Patricia Mac Cormack.The Ashgate Research companion to Monsters and the Monstrous, edited by Asa Simon Mittman and With Peter J. Dendle.


Spektrum – Vermischung der Stereotypen

Diese Gruppe widmete sich Illustrationen die Attribute von verschiedenen Geschlechtern vermischen. Die Bilder spielen mit unseren Erwartungen von stereotypen Geschlechterrollen und brechen diese auf. Die Teilnehmenden untersuchten dabei auch, wie etwa Illustrationsstile gezielt benutzt werden um Kritik zu äussern, oder wie durch das Vermischen, Verändern, Verzerren von(vermeintlich) klassische Darstellungen des Weiblichen und Männlichen Gender-Stereotype eruiert werden können.