Besuch einer Veranstaltung

«Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms»

In der Vorbereitungsfase für das Gender-Hacking Festival 2017 habe ich mich eine Zeit lang intensiver mit Cyber-Feminismus beschäftigt und dessen Potential und Entwicklung näher untersucht. Über die Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst habe ich mich daher sehr gefreut, auch da sie Künstler*Innen ausstellt, die wir auch ans Hacking Festival eingeladen haben, wie Marry Magic oder Tabita Rezaire. Dass Themen die wir 2017 am Festival behandelt haben schon jetzt Einzug in Schweizer Museen finden, ist ausserordentlich erfreulich. Dies zeugt auch von Potential und der Aktualität der Thematik.

In dieser Reflektion möchte ich aber nebst der Löblichkeit einen kritischen Blick auf die Museale Kontextualisierung werfen.

Zum Einen zwängt sich mir die Frage nach der Zugänglichkeit und Vermittlung einer solchen komplexen Thematik auf. Der Ausstellungstext war zu knapp und allgemein gehalten und die begleitende Publikation noch nicht veröffentlicht. Die Texte zu den einzelnen Ausstellungstexte waren zwar durchaus ausführlich und gut, aber bestimmt nicht für alle zugänglich. Ich besuchte die Ausstellung mit einer Freundin, die durchaus sehr interessiert am Thema und peripher auch versiert ist. Mir gegenüber äusserte sie aber auch, dass sie sich verloren gefühlt hätte und das Thema lückenhaft kontextualisiert wurde. Damit bestätigte sie mein Gefühl, welches ich der Ausstellung gegenüber hegte.

Zum Anderen möchte ich auf eine weitere Schwierigkeit der Musealität eingehen am Beispiel von Marry Magic. Kurz zum Kontext: Marry untersucht künstlerisch als auch praktisch die open-source Produktion von Östrogen. Ausgestellt waren nebst einem Video zwei ihrer DIY-Koffer. Mit diesen veranstaltet sie Workshops in welchen sie den Prozess vermittelt. Einen der beiden Koffer hatte sie auch in Zürich am zweiten Workshop den wir mit ihr veranstalteten dabei. Nun, wer einmal an so einem Workshop teil genommen hat, weiss wie messy und freizügig es werden kann. Diese Koffer sind zwar einerseits ästhetisch spannend aber andererseits in erster Linie praktisch gedacht. Dann damit lässt sich de facto Östrogen synthetisieren und Wissen vermitteln. Im Museum standen diese Koffer auf einem weissen Sockel hinter einer weissen Linie, die Abstand befahl. Grösser könnte der unterschied von der eigentlichen Praxis und der ausgestellten Form kaum sein. Ich würde auch behaupten, dass diese Form der Ausstellung der Arbeit nicht gerecht werden kann und viel Potential und Vermittlung dabei verloren gehen, ohne dass die Kuration sich mit diesem Verlust hätte auseinander gesetzt.

Workshop mit Marry Magic am Gender Hacking Festival 2017

„Mit der Gruppenausstellung Producing Futures – An Exhibition on Post-Cyber-Feminisms widmet sich das Migros Museum für Gegenwartskunst den feministischen Anliegen der Post-Internet-Ära. Heute sind das virtuelle und das reale Leben beinahe untrennbar miteinander verbunden. Anders als von den Cyber-Feminist*innen in den 1990er Jahren proklamiert, hat sich der Cyberspace jedoch nicht nur als Ort der Befreiung und Ermächtigung etabliert, sondern im gleichen Zuge auch bestehende Hierarchien und Machtstrukturen verstärkt. Mit einer Arbeit des Künstlerkollektivs VNS Matrix, welches den Begriff «Cyber-Feminismus» prägte, nimmt die Ausstellung die historischen Ansprüche und Visionen des Cyber-Feminismus als Ausgangspunkt, um sie mit der aktuellen Situation in Beziehung zu setzen und zu fragen, ob die Ideen nach wie vor produktiv sein können. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht so die Auseinandersetzung mit verschiedenen feministischen Ansätzen, die sich auf die Spannung zwischen Körper und Technik und diskriminierenden Geschlechternormen konzentrieren. Die Künstler*innen in der Ausstellung reflektieren und verfremden das Angebot verschiedenster Online-Plattformen, um so die Grenzen zwischen virtuell und real, online und offline sowie zwischen den Geschlechtern weiter zu verwischen. Viele der Arbeiten verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, der unter anderem die (Medizin-)Wissenschaft und das Okkulte in die Diskussion miteinbezieht, um eine lebenswerte Zukunft zu entwerfen, die durch Emanzipation, Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Gleichheit charakterisiert ist. “

Ausstellungsbeschrieb Homepage 2.03.2019

https://www.migrosmuseum.ch/de/ausstellungen/ausstellungsshydetails/?tx_museumplus%5Bexhib%5D=705&cHash=97e59041c439cdc1da7b177ae9b3c1b3