Colloquien

Colloquium I

Im ersten Jahr am Master habe ich mich stark damit auseinandergesetzt wie Design kritisch mit Gender-Repräsentation in Illustration umgehen kann. Bei dieser Auseinandersetzung unterstützte mich der Kurs „Kunst und Gender“ and der Universität sehr stark.

Während sich zahlreiche Disziplinen spätestens seit den 1980er Jahren mit der normativen Beschaffenheit der Repräsentation befasst haben, fand diese Auseinandersetzung in der gestalterischen Design-Praxis lange nur peripher statt. Eine reflektierte Übersetzung in das Feld der Illustration fehlt bisher gänzlich. Es ist zu diskutieren, wie durch Repräsentation in Illustration Machtverhältnisse geschaffen bzw. reproduziert werden. Eine wesentliche Frage, die sich in Bezug auf den Effekt der Repräsentation stellt, ist, wie damit Subjektpositionen in einer hegemonialen Sichtbarkeit geschaffen oder verunmöglicht werden. Wird uns ein normatives Ideal gezeigt oder entwertende Stereotype? Die Subjektschaffung funktioniert massgeblich über Einschluss- und Ausschluss-Mechanismen. Darüber bestimmen sich (Subjekt)Status und somit auch gesellschaftlicher Wert. Dieser wiederum bestimmt nicht zuletzt die gesellschaftlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten, die einer Subjektposition zugeschrieben werden. In dieser Subjektkonstruktion sind Ausschluss und Verwerfung soziale Mechanismen, welche nicht nur das Subjekt schaffen, sondern in ihrer Differenzierung auch das Abjekt, also das Andere. Somit steht das Andere für eine semiotische Leerstelle in der Repräsentation, welche als un-intelligibel aus den Rechten und Möglichkeiten der normalen Subjektposition ausgeschlossen ist.

Die queerfeministischen Zusammenhänge in Europa und den USA haben mit der Affirmation der Sichtbarkeit als positiven Status, die Sichtbarkeit als politische Kategorie erzeugt. So sollte durch Sichtbarmachung der Anderen, der Abjekte, deren Intelligibilität hergestellt werden, um auf dieser Grundlage gleiche Rechte einzufordern. Diese Strategie läuft jedoch Gefahr, die Unterscheidung von normal und anders zu perpetuieren, und damit regulierenden Mechanismen und normativen Prozessen zugeführt zu werden. Sichtbarkeit ist nicht einfach gegeben, sondern ein konstruiertes Produkt. Ein Produkt, das durch bestimmte konstruierende Verfahren hergestellt wird. Diese Ambivalenz der Sichtbarkeit ist Hintergrund dieser Forschungsarbeit. Die vorliegende Arbeit ist auch ein Versuch, die Sichtbarkeit als Strategie zu erhalten und diese, trotz ihrer Ambivalenzen in der Krise der Repräsentation, für queerfeministische Anliegen nutzbar zu machen.

Vor diesem Hintergrund suchte ich nach einem Korpus. Da es aber bis heute wenig wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Themen im Feld der Illustrationen gibt, viel es mir lange schwer einen Korpus zu definieren.

Es ist wohl ein glücklicher Zufall dass 2018 auch das 200Jährige Jubiläum von Mary Shelleys Frankensteins Monster war. Es gab vermehrt akademische Formate die sich mit dem Monster auseinander setzten und 2018 ins Rampenlicht traten. So etwa auch ein Call for Papers  für die SymbioticA, der University of Western Australia. Ich gab gemeinsam mit Adrian Demleitner ein Paper ein zum Thema Frankensteins Monster und Gender-Hacking. Dieses wurde auch akzeptiert, jedoch konnten wir der Zusage aus finanziellen gründen nicht weiter folgen.

Siehe dazu folgenden Blog-Beitrag

Dadurch rückten plötzlich die Monster-Studien als in mein Blickfeld. So kam es, dass ich erst kurz vor dem Colloquium I einen geschärften Fokus für meine Master Arbeit fand. Zu meiner grossen Freude stiess dieses auf relativ positives Feedback.

Folglich vertiefte ich meine Forschung in den Monster-Studien daraufhin.