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COCO – EIN TRANSGENDERMUSICAL

«Coco war die berühmteste Transfrau der Schweiz der 1990er-Jahre, verletzlich, getrieben, charismatisch. In Bern war sie ein Star: Eine Frau im Körper eines Mannes, die leidenschaftlich und furchtlos gegen alles anrennt, was zwischen ihr und jenem Tag steht, an dem sie endlich sagen kann: «Jetzt bin ich: Ich.» Ihre grössten Widersacher scheinen dabei weder ihre Eltern noch ihr überfordertes Umfeld zu sein, es ist ihr eigener Körper. Obwohl sie sich mit zwanzig einer geschlechtsangleichenden Operation unterzieht, bleibt ihr Leben eine verzweifelte Suche nach sich selbst – und ohne Happy End.

Ohne Anspruch auf historische Genauigkeit zu erheben, ist COCO die Hommage an eine Frau, die ihren anspruchsvollen Weg mit Entschlossenheit und Würde gegangen ist. Aber tatsächlich geht es in dieser Geschichte um uns alle – um die Notwendigkeit, sich die alles entscheidende Frage zu stellen: «Wer bin ich?» Und es geht um den Mut, den wir dafür aufbringen müssen. Aber vor allem geht es um den Preis, den wir für die Antwort zahlen.»

Text zum Theaterstück, Homepage Konzert Theater Bern: (http://www.konzerttheaterbern.ch/schauspiel/uebersicht/veranstaltung/-ee35a6a74b/?month=201804&date=1524175200, Letzter Aufruf 02.06.2018)

Gedanken zum Stück:

Ich möchte vorausschicken, dass ich das Musical nicht an seinen theatralen, schauspielerischen oder formalen Qualitäten untersuchen will. Diese Gedanken beziehen sich ausschliesslich auf mögliche dramaturgische Aussagen, welche im- oder explizit gemacht wurden.

Hierbei möchte ich auf den aus meiner Perspektive kritischsten Punkt des Stückes eingehen. Zwar erzählt dieses Theaterstück die Geschichte von Coco, einer Transfrau welche in den 90er Jahren in Bern lebte, und versucht wohl auch dadurch das Thema Trans an einem einzelnen Schicksal zu verhandeln. Dadurch hätte durchaus eine Möglichkeit bestanden, eine Pauschalisierungzu umgehen.

Leider schwankte das Stück zu sehr zwischen individueller Geschichte und aufklärerischen oder erklärenden Aussagen um sich einer Verallgemeinerung zu entziehen. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Dramaturgie der Transformation äusserst schwierig. Das Stück zeigt auf, wie unglaublich wichtig geschlechtsangleichende Operationen für Coco waren, verpasst es jedoch diesen wichtigen Schritt im grösseren Kontext zu verorten und zu betonen, dass dies eines von vielen Schicksalen sein kann.

Ich sehe darin zwei primäre Problemstellungen. Zum einen lässt sich aus diesem Stück ableiten, dass eine Transfrau erst durch eine geschlechtsangleichende Operation zu einer «richtigen» Frau wird und dies als unabdingbar empfunden wird. Zum anderen wird kaum thematisiert wie sehr diese Perspektive auch gesellschaftlich getragen ist und zu prekären Situationen führt, wie z.B. juristischer Art. Noch heute werden z.B. für Namensänderungen ein «irreversibler Geschlechtswechsel» vorausgesetzt. Das Stück macht implizit die Aussage, wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt, dass eine Transfrau eine geschlechtsanpassende Operation braucht. Eine Sichtweise welche für viele Transmenschen so nicht stimmt und ausserdem gesellschaftliche und juristische Vorurteile nährt.

Diese Kritik soll die Wichtigkeit solcher Repräsentationen in der Kulturlandschaft aber nicht absprechen. Jedoch betonen wie wichtig es ist, bei einer solchen Repräsentation mit deren normativen und konstruierenden Aspekten umzugehen. Gerade im Vergleich zum Theaterstück EF_Femininity von Marcel Schwald wird offensichtlich, dass es ist nicht einfach genügt das Thema Trans zu zeigen, sondern auch darauf ankommt wie es gezeigt wird.

So hat es Marcel in seinem Theaterstück EF_Femininity geschafft die individuellen Schicksale berührend darzustellen und verschiedene Realitäten aufzuzeigen ohne deren individuelle Gültigkeit zu vergleichen oder abzusprechen. Nicht zuletzt auch dadurch werden Verallgemeinerungen vermieden und  das Theaterstück von Marcel findet durchaus einen Ausweg aus der Krise der Repräsentation.

Hier ein Link für weitere Informationen: https://www.tgns.ch/de/information/rechtliches/#Delta